Mit dem CVJM in 10 Tagen um die Welt
In fast kompletter Besetzung reisten die CVJM-Pfadfinder und ihre Leiter dieses Jahr zur Sommerfreizeit auf den Knivsberg in Dänemark, wo Pfadfinder gern gesehene Gäste sind. Wie immer haben wir uns über die rege Beteiligung gefreut und darüber, dass das Pfadfinder-Sommerlager schon für viele Familien zu einem festen Programmpunkt im Kalender gehört.
Mit unserem Programm hatten wir uns eine Reise um die Welt vorgenommen, um Einblicke in Kulturen, Religionen, Sitten und Gebräuche auf den verschiedenen Kontinenten nehmen zu können. Am Sonntag, den 11. Juli 2010 reisten dann 32 aufgeregte Pfadis nach Dänemark an, um ihre vom Vorkommando am Vortag aufgebauten Kohten zu beziehen. Vom Knivsberg aus hatten wir einen fantastischen Blick auf die Genner Bucht. Das Gelände bot alle Möglichkeiten für Spiel, Spaß und Entdeckungen – und sogar eine Fußballübertragung im Theatersaal des Hauptgebäudes!
Schnell hatte man sich zurechtgefunden, denn für viele war es ja nichts Neues, sich in einer Kohte mit seiner Gruppe einzurichten. Die Neulinge erhielten von allen Seiten Unterstützung und es gelang, sich an wenig Platz in der Kohte, viel Platz an der frischen Luft und ein reduziertes Leben ohne Fernsehen und Geschirrspüler zu gewöhnen. HaWe hatte wieder unser Küchenzelt übernommen und überraschte mit Einfallsreichtum und internationaler Küche aus großen Töpfen und vom Gasbrenner. Für manchen gehörte auch Mut dazu, sich auf nie Probiertes einzulassen, aber satt sind dann doch alle geworden.
Wir brachen aus Europa zu unserer Weltreise auf und besuchten Nordamerika, Südamerika, Afrika, Australien und Asien, um in Europa wieder anzukommen. Unterwegs lernten wir viel über die Kontinente und deren Geschichte und Religionen. Wir spielten landestypische Spiele, entdeckten neue Sportarten und hörten Geschichten. Amerikanische Hamburger gehörten zum Programm, wie auch kulinarische Überraschungen wie australische banana pancakes, von denen man nicht genug bekommen konnte.
Manche Nächte waren spannend, auch diesmal hatten wir wieder fast alle Wetterlagen – wir schwitzten, froren oder flogen fast einmal weg. Ein heftiges Gewitter hatten wir gleich zu Anfang in der Jurte überstanden. Als dann an einem anderen Abend der Wind reichlich auffrischte, wurden die Kohten von den üblichen 8 Heringen auf das Vielfache verstärkt und verzurrt. Gegen 2.00 Uhr morgens wurde der Wind noch stärker und wir entschieden uns zur Evakuierung ins Langbehn-Haus. Wir weckten die Kinder Kohte für Kohte, um sie mit Schlafsack und Isomatte in ein sicheres Haus zu geleiten. So mancher hatte gar nicht gemerkt, was passiert war und wunderte sich, wo er am nächsten Morgen aufwachte. Die Kohten standen am Morgen noch unverrückt, aber Sicherheit geht vor.
Das afrikanische Frühstück am Morgen danach bestand nur aus einer Handvoll ungewürzten Maisbreis, netterweise durfte dieser mit etwas Zucker verschönert werden. Hier haben wir wohl das einzige Mal 32 lange Gesichter gesehen, denn die Nacht war aufregend und kurz gewesen und die Enttäuschung über das karge Frühstück groß. Noch größer war dann der Jubel, als HaWe dann doch noch leckeres dänisches Brot, Marmelade, Müsli und Milch herausrückte.
Der Genner Badestrand war leider nicht fußläufig zu erreichen, so dass wir die Kinder an heißen Tagen per Shuttle-Service zum Baden fuhren. Auch auf dem Knivsberg konnten wir mit Wasserbomben, seifigen Planen, Schläuchen und Eimern spielerisch für Abkühlung sorgen.
Am Ende einer Freizeit fragen wir immer, was die Kinder und wir mit nach Hause nehmen können. Diesmal sind wir richtig herumgekommen, nämlich einmal zu fast allen Kulturen der Welt. Besser kann man Erdkunde nicht vermitteln. Wir haben einen kleinen Einblick in das Leben, die Kultur und die Religionen anderer Völker nehmen können und von ihren Sorgen und Problemen gehört – aber auch von ihren Freuden und ihrem Glück. Wir konnten erfahren, dass auch die christlichen Missionare viele Fehler gemacht haben und es nicht immer leicht ist, zu erkennen, was das Richtige ist. Manche Überwindungen waren zu meistern, manche Hürden zu nehmen und auf dem Weg konnte man lernen, sich abzufinden, dazuzulernen, Spaß an einer Sache zu haben und dass weniger manchmal mehr ist. Oft sind es Leichtigkeit und Freude und weniger die Verbissenheit, die zum Ziel führt. Das Schönste, was wir im Abschlusskreis einer Freizeit als Feedback von den Kindern dann hören ist: „Ich fand eigentlich alles gut“, und dies kam von allen. Die Einschränkungen, die dann folgen, sind meist nicht so gewichtig und werden von den Kindern mit Humor genommen. So wie Julia, die das Duschhaus ja „total tierisch“ fand, denn dort konnten wir abends die wohl größte Nachtfalterschau erleben, die man je gesehen hat. Silke Grosser |